Allgemein

Balcony Poetry

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Fünfundzwanzig Jahre Schule für Dichtung! Und EACWP Symposium Nummer 13. Ersteres wurde grad gefeiert, letzteres fand neulich statt und ich durfte eine Balcony Poetry Klasse leiten. Poetinnen und Poeten aus Großbritannien, Spanien, den Niederlanden und Brasilien nahmen daran teil und gemeinsam beschallten wir dann vom Balkon der Schule für Dichtung die Mariahilfer-Straße.
Das Motto lautete:
stehengeblieben, festgehalten, aufgeschrieben & ausgestoßen. unmittelbar, unmissverständlich & unartig. balkon, mikrophon & schonungslose aufführung. anstößige, kantige & vereckte verlautbarungen in allen zungen. lauf, publikum, lauf!

Stockerlplatz

RKA_16_Jedenfalls
Bild dir bloß nichts auf deine Träume ein. Bild dir bloß nicht ein, du hättest einen Stockerlplatz auf Lebenszeit verdient. Bild dir bloß nicht ein, du, dein Leben, deine Figur gehörten gelobt, geadelt und gesockelt. Abfackeln statt sockeln ist mein Credo. Der Sockel ist der missratene, Stein und Marmor gewordene Bruder der funktional flauschigen Socke. Wir passten mal zusammen wie Socke und Schuh. Wir waren mal ein Team, ein Dream-Team. Wir waren mal die vier Musketiere im Kunstzirkus. Wir passten uns nicht an, wir legten uns quer. Wir waren schräg und einschlägig bekannt, ja, berüchtigt. Aber du musstest dann ja auf d’Artagnan, der Schwierige machen. D’Artagnan, der sich Kaprizierende. D’Artagnan, der Verblendete, der unser Vertrauen verschwendete, der unsere Verschworenheit blindlings beendete, der sich selbst damit ins Abseits sendete, stellte, schickte. D’Artagnan, der dann wieder reuig Geknickte, der Gestrandete, der Versandete der vom Podest Gefallene und unglücklich Gelandete.
Aber was sich reimt, ist doch gut?
Von wegen! Du immer mit deinen Frauengeschichten: Du bist ein Steckposer.
Und du immer mit deinen Fressorgien: Du bist ein Speckkoser.
Und du immer mit deinem Rumgewichse: Du bist ein Stangenhalter.
Und du immer mit deinem Rumgekiffe: Du bist ein Lungenspalter.
Und du immer mit deinen GROSSBUCHSTABEN: Du bist ein Maiuskelprotz.
Und du immer mit deinen Verführversuchsgaben: Du bist ein Flirtgroßkotz.
Und du immer mit deiner Wortspielmanie und deiner Fußballhysterie: Du bist ein Hauptsache-Reim-Macher. Und du immer mit deinem Du-immer-Gehabe und deinem Geschreibe: Du bist kein Neunmal-, du bist ein Immer-Klug, du bis kein Sinn und Form, du bist ein Unform und Unfug.
Und genug gefugt!

Rohrköhlauer # 16, 7. Juni 2017

Abschussrampe

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Dir stehen alle Türen offen, mein Kind. Wir hatten nichts, du sollst es einmal besser haben als wir und wir tun alles dafür, dass dir das auch gelingt. Jede Familie, mein Kind, ist eine Basis. Unsere Familie ist mehr. Wir sind dir nicht nur Basislager für deinen Aufstieg, wir sind dir auch die Abschussrampe. Abnabelung ist wichtig, ohne Abnabelung kein Abheben, keine Flugphase. Und Bildung, mein Kind, Bildung ist die Rakete. So eine Rakete ist was wert und ist uns was wert. Drum, liebes Kind, enttäusch uns nicht. Rampe da, Rakete da, du da. Jetzt wird senkrecht gestartet. Sei kein Bruchpilot, Kind. Wachse über dich hinaus, lass Grenzen hinter dir, lass dich auf neue Umlaufbahnen ein und three, two, one, Lift-off!

Rohrköhlauer #15, am 16. Mai 2017

Dampfschnösel

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Wenn ich groß bin, werde ich Auspuff. Mehr Rebellion, mehr Ausbruch aus der aufrechten Familientradition ist nicht denkbar. So ein richtig röhrender Pimp-Car-Auspuff, der hängt, nicht steht; der faucht, sprotzt, spuckt und die Abgase mit Stolz ausstößt. Meine Eltern sind ja Dampfschnösel: edel, ästhetisch, streng geometrisch und umweltpolitisch korrekt. Die puffen nicht, die blasen bloß. Die streben gen Himmel, nicht gen Straße. Die haben die Erdung verloren, sind zu abgehoben und kennen Dreck nur mehr aus dem Munde von Kaminkehrer_innen-Erzählungen.

Rohrköhlauer #14, am 8. Mai 2017

Einlaufgitter

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“Wir schenken Straßen Augen. Wir eddingen Zebrastreifen. Wir malen abstrakte Parkplatzmarkierungen. Wir tünchen Schlafende Polizisten in Schockfarben. Wir machen Street-Art und nehmen diese wörtlich. Wir bearbeiten den Belag. Wir signalisieren, wir verwirren, wir sprühen vor Ideen. Klar, das ist illegal. Klar, das ist bunt. Klar, das schafft Feinde. Klar, dass wir im Untergrund leben.”, postete die Gullygang auf ihrem Blog “Street-Unartig”. Gestern wurde die Gruppe gefasst. Sie hätten ihren Fluchtweg nicht so gut markieren sollen.

Rohrköhlauer #13, am 2. Mai 2017

 

Zwecktektonik

RKA_12_Zwecktektonik
Ob der Weg zur Weisheit ein gepflasterter ist? Ob Weisheit im Parterre wohnt? Ob das Tor zur Weisheit eines mit Siegeln ist? Ob Weisheit an einem blauen Faden hängt? Ob auch Weisheit regel-mäßig gelüftet gehört? Ob sich Weisheit aus Versatzstücken zusammensetzt? Ob auch Vers-Satz-stücke ein weises Ganzes ergeben können? Ob’s im Inneren der Weisheit dunkel ist? Ob Weisheit von einer Neonröhre erleuchtet wird? Ob Weisheit auch nur mit Holz heizt? Oft frag ich mich ja, ob alle immer irgendwas denken, oder ob viele Hirne einfach verschalt und vor Dauergedankenbe-schuss geschützt sind? Von Weisheit zu Weichheit ist es nur ein kleiner Schritt. Ob dumm dämmt?

Rohrköhlauer # 12, am 26. April 2017

Leitungslos

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Einmal ziellos sein. Einmal oberflächlich sein. Einmal geklärt werden. Einmal einfach nur leer sein. Einmal nicht alles schlucken. Einmal tropfen. Einmal nicht nur so rumhängen. Einmal nicht bloß so Kanal sein. Einmal ein offenes Ohr geschenkt bekommen. Einmal voll leck sein. Einmal voll abrauschen. Einmal mit einem Hirsch um die Wette röhren. Einmal die Fassung verlieren. Einmal aus der Verankerung lösen. Einmal in die andere Richtung fließen. Einmal knicken. Einmal gar nicht fließen sondern stauen. Einmal richtig verstockt sein. Einmal richtig verstopft sein. Einmal brechen, einmal bersten, einmal platzen und dann endlich, endlich, endlich die Sonne sehen. Sich ausstrecken, sich hinlegen und einfach nur abhängen, chillen. Wir können nicht sehen. Wir können nicht chillen. Wir können uns nur zur Decke strecken. Wir hängen fest. Wir kennen nur eine Richtung und wir kennen die Dichtung. Dichtung und Fluss, mehr ist nicht Muss. Wir sind aktiv passiv. Wir tun nicht, wir lassen. Wir lassen alles zu und durch. Durchzug ist unsere Bestimmung. Wir haben alles über uns ergehen und durch uns ziehen zu lassen. Scheiß Job!

Rohrköhlauer # 11, am 19. April 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT
Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Kompott oder Geschichte wird gemacht

DSC07024Ich habe was gewonnen! Meine Geschichte “Kompott oder Geschichte wird gemacht” ist bepreist und veröffentlicht worden. Im Buch Mountain Stories 2016/2017 sind italienische, englische und deutsche Texte abgedruckt und folgender Preis winkt:

1 Übernachtung im Doppelzimmer für 2 Personen inklusive: Frühstück mit herrlichem Panoramablick auf die Dolomiten
ein 3 Gang Dinner für 2 Personen inklusive Getränke (!) täglich ein Hausaperitif von 18Uhr30 bis 20Uhr das move & explore Programm mit Bogenschießen, den Fünf Tibetern und Anderem (!)
die Benützung von Endlospool, In- und Outdoor Whirlpool, Dampfbad und Sauna im einzigartigen vigilius mountain spa
Autoabstellplatz an der Talstation, sowie die Nutzung der Seilbahn und Aufstiegsanlagen am Vigiljoch
Na, das ist doch mal was! Dieses Vigiljoch ist übrigens in Lana (Südtirol) und es wird auch eine Lesung der abgedruckten Texte geben. Ich freu mich!

 

Katzenklappe

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Sie setzte mich einfach vor die Tür. Mit Hut und Gut und Luftpolsterfolie statt Kingsize-Rosshaar-Matratze. Ich würde mich langsam auflösen, so sie, hätte meine Leuchtstreifen verloren. Ich reflektierte nicht mehr, so sie, wäre ihr zu verspult. Ich kratzte an der Tür, nagte am Schloss, aber nichts – keine Gnade. Etwas Lack blätterte ab, mehr nicht. Die Katzenklappe hatte sie vernagelt, die Telefonnummer geändert. Ich summte „Du kannst die Katze behalten, aber die Stadt gehört wieder mir“ und begann zu weinen. Die Tränen flossen, nein, schossen regelrecht aus meinen Augen. Das war kein Weinen, das war ein beidäugiges Sprenkeln. Das war eine Gabe, die musste genutzt werden. Ich wurde Feuerwehrmann und rettete fortan vorwiegend Katzen aus Bäumen.

Rohrköhlauer # 10, am 7. April 2017

15. Innsbrucker Prosa Festival

15ProsaIBKDonnerstag, 6. April bis Samstag, 8. April 2017 – Drei Tage, drei Orte, 11 Lesende und das bereits zum 15ten Mal. Wir – Robert Renk, Carmen Sulzenbacher, Martin Fritz und ich – freuen uns sehr, wieder ein tolles, abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt zu haben und wünschen uns natürlich, dass ihr zahlreich mit dabei seid. Es lesen am Donnerstag in der Stadtbibliothek: Jonas Lüscher, Dana Grigorcea, Markus Mittmansgruber und Markus Binder.
Am Freitag in der Wagner’schen Buchhandlung: Thomas Meinecke, Àgnes Czingulszki, Lorenz Langenegger und Mascha Dabic.
Am Samstag im Freien Theater: Joachim Zelter, Petra Piuk und Nora Gomringer. Thomas Meinecke wird der DJ sein. Wir freuen uns auf euch.