Rezensionen

Jammern auf hohem Niveau

Der Barkeeper hat Eselsohren im Herzen, Vera will raus aus dem Prekariat, und Silvio war einmal Berlusconi-Double. Sie alle trinken ihre „Prostpflaster“ im „Reallife-Chatroom alter Schule“. Markus Köhle stattet sie mit klarem Zug zum Neologismus aus, es geht um „Erhirnung“, „Suderschutt“ oder „Ausbeuteltiere“, der Autor liebt das Wortspiel („Glutamatrix“) fast bis zur Blödelgrenze. Das titelgebende Niveau hält Köhle dank narratologischer Beschlagenheit und des richtigen Quäntchens Melancholie.
Schön ist die Begriffserforschung des Grants („kein Kollektiv-,sondern ein Individualgefühl“) oder die Suada gegen die Craft-Beer-Snobs: „Bier ist nicht zum Auseinandersetzen da, sag ich, Bier ist Zusammensitzen.“ Der noch aktive Ahnvater des Poetry-Slams in Österreich hatte stets mehr im Sinn als studentische Befindlichkeitscomedy. So funktioniert sein Textmosaik auch überraschend gut in stiller Selbstlektüre.
Dominika Meindl in FALTER 42/2017

Jammern auf hohem Niveau

„Jammern auf hohem Niveau“. So heißt übrigens Markus Köhles zweite dieser Tage erschienene Buchveröffentlichung: ein sprichwörtlich hochprozentiger Text undefinierter Gattung. Köhle nennt ihn „Barhocker-Oratorium“. Man könnte auch „Trinker-Ballade“ sagen. Oder „Prostpflaster-Philosophicum“. Denn klug ist das, was Köhle seine alle irgendwie angeknacksten Figuren, die sich zumeist in einer Bar namens Bierpipeline treffen, so denken und sagen lässt, fraglos. Und lustig. Und irgendwie auch traurig. Ein bisschen so wie das Leben also. Nur etwas wortgewandter.
Joachim Leitner in der Tiroler Tageszeitung vom Samstag, den 28. Oktober 2017

Jammern auf hohem Niveau

Markus Köhle, der Meister von Poetryslam und User dynamischer Satzbögen, verschafft mit seinem Barhocker-Oratorium diesen täglich in den Bars anströmenden Erkenntnissen, Schicksalen und Planungen ein Forum, von dem aus die Sätze in den Weltraum oder zumindest an die Bardecke geschossen werden können. (…) Das Buch ist ein Gesamtkunstwerk, das man unbedingt zum nächsten Barbesuch mitnehmen sollte.
Helmuth Schönauer

Was macht gute Literatur aus?

Janko Ferk im Spectrum schreibt u. a.: „Die Übersetzerin Karin Fleischanderl und der Slam-Poet Markus Köhle reflektieren die Frage nach der ‘schlechten Literatur’.“
Die Presse, am 24. Dezember 2016

Helmuth Schönauer über “Einfache Frage: Was ist gute Literatur?”

Scheinbar kluge Fragen sollte man immer mit der klügsten Gegenfrage der österreichischen Seele beantworten: Wer lässt fragen? (…) Markus Köhle umgeht diese intellektuelle Schnappschere, indem er gleich von einem Diskussionsvehikel spricht, auf dem die Paare unterwegs sind. Die Korrespondenzen werden somit zu einer eigenen Literaturgattung. (…) Wie Insider-verschränkt das Ganze ist, merkt man, wenn Markus Köhle tatsächlich von außen her lapidar-kluge Antworten gibt: „Kurze Antwort: Gute Literatur ist zu verbreiten. Alternative Kurzantwort: Gute Literatur ist diskurswürdig. Amtliche Antwort: Gute Literatur ist förderungswürdig.“
Helmuth Schönauer 18/12/16

Die Siebentagewoche in Wagnereinmalig

Lena Kripahle schreibt im Buchmagazin “Wagnereinmalig”: Jetzt gibt’s was auf die Ohren. 1,2,3,4,5,6, 7 Tage hat die Woche. Wortgewaltig hören wir Dichtung und Gedanken. Von Montag bis Sonntag, Skurriles, Famoses, Neues und noch viel mehr. Eine Komposition, für die man sich Zeit nehmen muss. Musikalische Begleitung bekommen Ursula Timea Rossel und Markus Köhle von Fransen Musik, ein Duo bestehen aus Hannes Sprenger und Klex Wolf.

Helmuth Schönauer über Kuhu, Löwels, Mangoldhamster

Die neuen Sorten aus Tier- und Pflanzenelementen bestechen nicht nur als Wortschöpfung sondern auch in ihrer Anwendung. Den Animal-Brands ist nämlich eine schöne Geschichte beigelegt, die als Inhaltsverzeichnis, Beipackzettel oder Kochrezept gelesen werden kann. Den Wert des Tieres bestimmt seine Anwendung, könnte man mit Wittgenstein sagen. (…) Das Register der Wolpertinger zeigt als Abspann, wie logisch verrückt die Kreation einer eigenen Begriffswelt ausfallen kann, wenn man die passenden Tiere zur Verfügung hat. Denn was es in der Sprache gibt, gibt es auch in Wirklichkeit, wissen wir wiederum von Wittgenstein.” (HeSchö).

Rossel und Köhle in der NZZ

NZZ über “Die Siebentagewoche”: “Es ist ein Denken an den Dingen, entlang der Sprachgestalt und ihrer Kuriositäten, ein Selbstumgang mit Sein und Phänomenen der Post-Post-Post-Moderne, das ohne poetisch überfeinerte Anmutung daherkommt: anarchisch, nachdenklich und verletzlich in seiner Offenheit. Dichtung als Sprach- und Sprechdenken im Jetzt und mit absichtlichem Abstand zum Lyrischen. Das ist nicht nur anregend, sondern auch sympathisch.”

Kuhu, Löwels, Mangoldhamster – &Radieschen

Andreas Plammer schreibt im &Radieschen # 36:
„Da wird das Koalamm zu Tode gestreichelt, da verliebt sich die Zebrassel in ein Auto, da träumt das Kiwiesel vom Paradies – einem Obstsalat nämlich. Mit einem Wort, da werden nicht nur völlig neue Tierarten kreiert, sondern ein ganzes Universum. Eintauchen unbedingt empfohlen. Dazu muss man kein Condorsch sein.“

“Kuhu, Löwels, Mangoldhamster” – Der Standard

Michael Wurmitzer / Der Standard: Abwechslungsreich sind seine Beobachtungen, immer wieder originell und klug, lustig und bitterböse. Anders als Mythen und Sagen erklären sie dabei zwar nichts, verweisen aber auf viel.
Neben politischen und gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Fragen stehen hinter den fabelhaften Überlegungen aber genauso persönliche Geschmäcker des Autors.
Christian Morgenstern, ein bisschen Dada oder auch Ernst Jandl sind da oft nicht weit.
Absonderlich, aber faszinierend.
(in BESTE SEITEN. Extrablatt der österreichischen Zeitungen und Magazine zur Buch Wien 15)