Allgemein

Paartherapie

RKA_24_Umrindung
Anfänglich fällt man über einander her. Wie auch sich bloß betasten, wenn man astlos ist? Wenn man rastlos ist und nicht genug bekommen kann vom Anderen, vom Neuen, vom endlich Eroberten. Anfänglich verschlingt man sich, umschlingt man sich, ringt miteinander, liegt aufeinander und beschwert sich nicht, wird vielmehr schwerelos, hebt ab, geht ineinander auf und wird ein großes, gemeinsames Ganzes, das für immer zu schweben und unverwundbar zu sein scheint. Anfänglich ist man anfällig für Anhänglichkeit. Aber Anhänglichkeit kann Geborgenheit und Last sein. Anhänglichkeit nützt ab, reibt auf, entblößt und führt unweigerlich zu Abhängigkeit. Und Abhängigkeit ist der direkte Weg vom Alltagstrottkreisverkehr über die einspurige Egoeinbahn in die exitlose Beziehungssackgasse. Drum die Devise: Aufbäumen ist besser als anschmiegen.

Rohrköhlauer #24, am 1. August 2017

Baumyoga

RKA_23_Baumyoga
Dass sich neuerdings auch Bäume gesellschaftlichen Trends beugen, wird uns Umwälzungen bescheren, deren Ausmaß noch nicht absehbar ist. Früher schlug gelegentlich der Blitz ein und sorgte für Baumbildabwechslung. Jetzt verbiegen sich Bäume selbst und diese Akte des Stammbruchs sind wohl als Ausbruch aus dem Korsett der Monokultur zu interpretieren.

Rohrköhlauer #23, am 23. Juli 2017

Blumenschnitter

RKA_22_Blumenschnitter
Die Finnische Flötenputzer-Quastelblume setzt der hiesigen Wiesenblumenwelt vermehrt zu. Sie wurde vom Schispringer Helmi Hämäläinen in seinem Schisack versehentlich nach Österreich eingeschleppt und zählt zu den invasiven Pflanzenarten. Die FFPQB mischt sich in handgepflückte Blumenstäuße und zerlegt dann die Blüten ihrer Straußmithäftlinge doppelt so schnell wie normal. Die FFPQB wird von nichts Böses ahnenden Blumenstraußpflücker_innen gern gepflückt, weil sie so lieblich streichelweich ausschaut und eher als harmlos-wuschelig empfunden wird als den Zerfall beschleunigend. Das ist ihre Waffe. Die FFPQB ist ein schleichender Schnittblumenschnitter.

Rohrköhlauer #22, am 19. Juli 2017

StaTTschreiber in Wels

Stattschreiber
Ja, ich bin es: der erste und letzte StaTTschreiber in Wels. Der Kulturinitiative pro.viele und vielen Spenderinnen und Spendern sei es gedankt. Von September bis November 2017 werde ich vorwiegend in Wels weilen und diverse Projekte verfolgen. Die Antrittslesung steht bereits fest. Sie wird am Sonntag, den 10. September 2017 um 11 Uhr im Hotel Hauser stattfinden. Es gibt Suppe und Texte. Vielen DANK!
Zum Foto: Die Nachricht ereilte mich kurz vor Linz im Zug und zauberte mir ein ehrlich erfreutes Lächeln ins Frühstücksgesicht.

Saunageißel

RKA_21_Gummistiefel
Ich will mich auch schlagen dürfen. Ich will Flip-Flops tragen dürfen. Ich will Fallen statt Fragen stellen dürfen. Ich will Streiche statt Cello spielen dürfen. Ich will unser Haus so rot wie meine Stiefelbündchen anmalen dürfen. Ich will Nacktschnecken in Papas Stiefel füllen dürfen. Ich will Birchermüsli in Mamas Stiefel füllen dürfen. Ich will Blutegel in die Stiefel des großen Bruders füllen dürfen. Ich will fühlen dürfen. Ich will mich frei fühlen dürfen. Ich will dürfen. Ich will ausbrechen. Ich will ausbrechen aus dem Dürftigen. Ich will nichts wie weg von hier!

Rohrköhlauer #21, am 12. Juli 2017

Planquadrat

RKA_20_PlanquadratSymmetrieattacken sind ein Folterinstrument für österreichische Durchschnittswurschtler. Wenn selbst das Schräge geplant ist, dann ist die Freiheit futsch, alles extra aber nichts mehr wuascht.

Rohrköhlauer #20, am 6. Juli 2017

Jammern auf hohem Niveau

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Ja, es ist bereits da, mit Stoffhandschuhen anzugreifen und anzuschauen. Aber es ist noch nicht im Handel. Es gibt nämlich einen Dummy. Von Hand gemacht, mit rotem Faden gebunden und zwar vom Buchgestalter Matthias Schmidt. Mein Barhocker-Oratorium war seine Abschlussarbeit des Universitätslehrgangs Buch-Design. Und im Cabinett Lia  Wolf in der Sonnenfelsgasse im 1. Bezirk sind derzeit alle Abschlussarbeiten zu begutachten. Das Cover ziert ein Bierdeckel, der bereits im Umlauf ist. Hinten drauf kann man einen persönlichen Jammer-4-Zeiler schreiben und den Deckel dann per Post zum Sonderzahl Verlag schicken. Die besten Jammergedichte werden prämiert und mit den 24 schönsten Jammereien machen wir dann einen Adventkalender. Also gebt alles! 2017-07-04 11.41.07 Buchpräsentation ist übrigens am Donnerstag, den 21. September 2017 um 19 Uhr in der Alten Schmiede. Ich freu mich auf euch und euren Jammer!

Einweckglas

RKA_19_Einweckglas
Wäre ich selbst eingemachtes Sauerkraut, ich versteckte mich im Sommer auch im letzten Eck. Aber ich bin nicht Kraut. Ich bin nicht Stiller. Für Kraut braucht’s ja ein Fass und für Stiller einen Frisch. Ein Fass und Stampfwillen da, bzw. Lesewillen dort. Ich habe Stampfwillen aber weder Fass noch Sauerkrautplantage und Leselust. Dabei ist Sauerkraut ganz und gar und gut gekocht kein rotes Buch für mich. Die Darmtätigkeitsbeschleunigung, die Magenräumung, die Entschlackkraft: All das sind mir liebe Krautseiten. So ein 50er Jahre Max-Macho-Frisch kann ganz schön aufstoßen.

Rohrköhlauer #19, am 4. Juli 2017

Knetmasse

KnetmasseWas ist knuffig, klingt aber traurig? _________________________________________ Der Mollmops.

Rohrköhlauer # 18, am 27. Juni 2017

Formflut

RKA_17_Schollschleier
Fändest du es übertrieben, wenn ich sagte, du wärest meine Tragfläche?
Fändest du es zu konstruiert, wenn ich sagte, dass es von übertrieben nicht weit zum Triebwerk wäre? Und wenn ich weiter sagte, du wärest meine Tragfläche und mein Triebwerk?
Flögest du dann auf mich?
Was sagtest du dazu, wenn ich dich einlüde, mit mir Konjunktivzweiformen zu erfinden?
Fändest du das originell genug für dich?
Welche fändest du?
Was sagtest du, wenn ich dir gestünde, dass ich dich anhimmelte?
Und was entgegnetest du darauf, wenn ich dich fragte, ob man jemanden auch anwolken könne? Wäre dir anwolken zu geruchsvorbelastet und umwolken zu nebelig?
Wenn ich für dich wellte und gischtete, wärest du mir dann Meer?
Und wenn ich dich meine mir liebste gefährliche Brandung nennte, wäre ich dir dann Patrick Swayze oder nur Surfbrett?
Reitetest du mich? Rettetest du mich?
Deklamiertest du mit mir Zungenbrecher und zungenküsstest du mich irgendwann dann auch?
Dürfte ich dich dann einweihen in die Geheimnisse von Wind und Wellen, von mir und all meinen Seiten? Glaubtest du mir, wenn ich dir verspräche, keine Banken mehr auszurauben, da du mir den Verstand raubtest und mir das für ein Leben reichte?
Und nähmest du mich auch so – ganz ohne Swayze und Swag – so, wie ich bin?

Rohrköhlauer #17, am 27. Juni 2017