Allgemein

Kompott oder Geschichte wird gemacht

DSC07024Ich habe was gewonnen! Meine Geschichte „Kompott oder Geschichte wird gemacht“ ist bepreist und veröffentlicht worden. Im Buch Mountain Stories 2016/2017 sind italienische, englische und deutsche Texte abgedruckt und folgender Preis winkt:

1 Übernachtung im Doppelzimmer für 2 Personen inklusive: Frühstück mit herrlichem Panoramablick auf die Dolomiten
ein 3 Gang Dinner für 2 Personen inklusive Getränke (!) täglich ein Hausaperitif von 18Uhr30 bis 20Uhr das move & explore Programm mit Bogenschießen, den Fünf Tibetern und Anderem (!)
die Benützung von Endlospool, In- und Outdoor Whirlpool, Dampfbad und Sauna im einzigartigen vigilius mountain spa
Autoabstellplatz an der Talstation, sowie die Nutzung der Seilbahn und Aufstiegsanlagen am Vigiljoch
Na, das ist doch mal was! Dieses Vigiljoch ist übrigens in Lana (Südtirol) und es wird auch eine Lesung der abgedruckten Texte geben. Ich freu mich!

 

Katzenklappe

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Sie setzte mich einfach vor die Tür. Mit Hut und Gut und Luftpolsterfolie statt Kingsize-Rosshaar-Matratze. Ich würde mich langsam auflösen, so sie, hätte meine Leuchtstreifen verloren. Ich reflektierte nicht mehr, so sie, wäre ihr zu verspult. Ich kratzte an der Tür, nagte am Schloss, aber nichts – keine Gnade. Etwas Lack blätterte ab, mehr nicht. Die Katzenklappe hatte sie vernagelt, die Telefonnummer geändert. Ich summte „Du kannst die Katze behalten, aber die Stadt gehört wieder mir“ und begann zu weinen. Die Tränen flossen, nein, schossen regelrecht aus meinen Augen. Das war kein Weinen, das war ein beidäugiges Sprenkeln. Das war eine Gabe, die musste genutzt werden. Ich wurde Feuerwehrmann und rettete fortan vorwiegend Katzen aus Bäumen.

Rohrköhlauer # 10, am 7. April 2017

Innsbrucker Prosa Festival

Seit 2003 bin ich gemeinsam mit Robert Renk Kurator des Innsbrucker Prosa Festivals. Drei Tage, drei Orte, 12 Lesende alle Jahre wieder. Seit einiger Zeit tatkräftig unterstützt von Carmen Sulzenbacher, und Martin Fritz. Nächstes Festival im April 2023.
Mehr Infos auf: prosafestival.wordpress.com

Keppelallianz

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Elch-Alarm! Elche aus der Gesellschaft ausgebrochen. Elche rotten sich zusammen. Elche organisieren sich. Elche vermaschinieren. Elche planen einen Aufstand. Elche wollen sich vermutlich auf die Bühne heben, die ihnen gebührt. Wie konnte es zu dieser Elchverhebebühnung kommen? Alle wurden doch geherzt, geduzt, gestreichelt. Alle, Elch und du. Alle waren gesundheitsversichert und integriert: Elch und du. Allen standen alle Wege offen: Elchen, Tieren, dir und mir. Aber dann: der Elchtest, der Dieselmotorenskandal und „We can leave a little bit of the environment“-Trump. Welches little bit denn bitte? Die Sandstraße? Das Blaue des Himmels? Die verfickte Sonne? Einreiseverbot für die Sonne? A wall against the sun? Elche? Eine Elchmauer? Sie rückt ja eh schon näher die Mauer. Aber wie kommst du denn auf Elche? Das sind doch im Grunde bloß dienstlose Aussichtsplattformen, die sich hier unterhalten, die gerne Strelitzien wären. Da zwitschern sich doch Paradiesvogelblumen zu, weil sie auf den Bus in die Stadt warten, der hier halt wirklich sehr selten vorbei kommt. Und die eine, die arg im Nacken Geknickte sagt: „Ich war doch gar nicht so garstig.“ Aber alle sind sich einig und keppeln auf sie ein: „Wir sind größer, schöner, eleganter!“ Mein Gott, hätte ich einen solchen Hals, ich trüge meinen Kopf auch hoch. Eine Mischung aus Elch und Giraffe müsste man halt sein: Giraffelch. Das wär’s! Klar, reckte ich mich. Aber ich will mich nicht aufregen. Alles bloß keine Erelchung. Also Elch-Alarmentwarnung! Echt?

Rohrköhlauer # 9, am 30. März 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT

Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Türsturz

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Publikum ist eine Pest. Publikum findet heutzutage ja überall hin. Eine wirklich hermetische Veranstaltung abzuhalten, ist mittlerweile eine Kunst. Denn man kann sich vor Leuten, die einem zuhören, einen sehen und verstehen wollen, wirklich kaum mehr erwehren. Eintritt und Helmpflicht sind längst keine Lösung mehr, denn Publikum ist begütert und demütigungsbereit. Wer unbesetzte Sessel will, muss bauliche Maßnahmen setzen. Es müssen Rigipswände hochgezogen und Türen gestürzt werden, um endlich wieder unter sich und säulesgleichen weilen zu können.

Rohrköhlauer # 8, am 14. März 2017

Intimrasur

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Schon interessant, was einen immer so beschäftigt. Da summt man innerlich „This is the road to nowhere“, vermeint sich auf dem ultimativen Pfad ins Blaue und in eine strahlende Zukunft und an was denkt man? An den Patschen im Fahrrad, der seit Wochen geflickt gehört. An die tropfende, nein, fast schon munter fließende Klospülung, die repariert gehört. An die eine im Schritt geplatzte Hose, die man selbst sich nicht zutraut zu nähen, und sich gleichzeitig auch nicht getraut, jemanden damit zu beauftragen. Und an Intimrasur. Windige Gedanken, ich weiß. Aber woher bloß diese Scham? Schert sich eine Wolke, woher der Wind weht? Schert sich ein Schaf, wer es schert? Eben.

RKA # 7, am 8. März 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT

Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Tarndrohne

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Wer schnaubt eigentlich das Wasser in Teiche? Badewannen sind ja Bedarfsteiche. Wer pflanzt Inseln in Seen? Vorgartenpools sind ja Privatbaggerseen. Wer schnallt den Schilfgürtel enger? Paravents sind ja Wohnzimmerverschilfung. Wer fragt hier eigentlich? Eigentlich ist ja eine sprachliche Unart und Unart gehört kultiviert. Wildwuchsförderungsgesuch genehmigt, Verbuschung avisiert, Schreibfluss ungehemmt absonderbar! Vertrackte Eklektizismusentladung einer Tarndrohne im Sinkflugmodus oder Scheinchimäre in gleisender Tümpelhaftigkeit? Böschung auf Abwegen oder Wuschelding mit submariner Sonarsondiertauglichkeit? Oberflächenabtastomat mit Fein- und Einfühlungsvermögen oder Streicheltraktor und Grundschürfer mit Beackerungsfunktion aufgesuppt zur Henkeltasse mit Behelfsschnabel? Vorgegockelt handgestrickte Grobmaschenlustigkeit oder vermittellose Seichtness? Zerrbildnerisch erzweckte Erziehungsmaßlosigkeiten oder kolportösige Fad-News-Depeschen? Ist Dackeldrüsenüberschuss mit Untauglichkeitsbravour und Dramensalat ohne Kürbiskernessenz abzumilchnern und abzuschlagsahnen oder vogelspinnt hier nur wer? Glänzt dahinschimmelndes Talent im Opferstock der Kleinmütigkeit? Ist was schimmervoll aber abgrundtief harmlos wie ein alkoholfreies Weizenbier an der Verschmerzbar? Oder ist das doch bloß eine Hochlandrindverschilfung?

Rohrköhlauer # 6, am 1. März 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT

Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Lichtschnüre

RKA5_Lichtschnüre
Draußen gleißende Lichtschnüre, die sich abseilen und mir die Kehle zuziehen. Draußen vermutlich Tag, vermutlich Leben, draußen zu viel Licht für mich. Drinnen dunkel, drinnen ich. Dunkle Augenhöhlen und dunkle Stimmung, schwarzer Balken vor der Aussicht und der Zukunft. Drinnen ein schweres Kreuz, ich im Fadenkreuz, im Visier der Depression. Mir ist jedes Ziel zu viel. Ich bin schwach, schweigsam, nicht der Rede wert. Mich bügelt der Winter ins Bett, mich formt die Lethargie. Das Licht kreuzigt, das Leben quert mich und der Frühling lässt weiter auf sich warten.

Rohrköhlauer # 5, am 14. Februar 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT

Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Wellenteppich

RKA4_Wellenteppich
Ich bin gespannt. Heute bin ich sehr gespannt und etwas algig. Heut hab ich zu halten, denn heute windet’s, wellt’s und gischt’s. Heut braucht mich der Wellenteppich. Er hat auch nur mich, mich alleine, alleine mich Leine. Mich Leine wird er niemals los. Wir gehören zusammen, das ist unser Los. Niemand ist gerne Leine, ich schon, ich bin nämlich kein Teppich! Ich bin eine Meerzweckleine, eine Wellenteppichleine. Als Leine bist du deine eigene Chefin. Als Leine hast du zu halten. Als Leine seilt dich niemand ab. Mein Wellenteppich und ich kommen klar. Ich geb ihm Spiel aber mit Maß, er mag’s ja, streng gehalten zu werden. Ich bin ihm mehr als Franse.

Rohrköhlauer # 4, am 7. Februar 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT

Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Schneewolf

RKA3_Schneewolf
Es gibt Schneewittchen und Schneehexen, Schneeweißchen und Schneerosenrot, Schneegeißlein und natürlich auch Schneewölfe. Der Schneewolf ist ein Nacht- und Hüttentier. Hätte er besser verhüttet, wäre er längst ausgestorben. Domestizierte Schneewölfe nennt man Holzhüttenschneewölfe. Sie haben ein großes Maul bestehend aus Längs- und Querbalken, ihre Dachrandmaulleiste ist gespickt mit zackigen Eiszapfenleitzinken, ihre Zunge ist schollenförmig, eingedepscht und ihr Gaumenzäpfchen ein frontal gelagerter Orientierungsknubbel. Holzhüttenschneewölfe sind wechtenaffin (Gibt’s auch Graupel-, Kraut- und Sandwechten?), ihre Welt ist, wie der Winter, schwarz-weiß und bitter für Beutetiere: Sechs Geißlein bereits im Magen, eins noch unter der Zunge. Der Frühling ist bunt, der Holzhüttenschneewolf aber ist schwarz-weiß und Blut in schwarz-weiß grau.

Rohrköhlauer # 3, am 31. Jänner 2017

ROHRKÖHLAUER-KONZEPT
Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.