Wort der Woche

Schnoddertontaube

Die Schnoddertontaube spuckt zwar große Töne, ist aber ein sehr fragiles Geschöpf. Große Lippe aber auch leicht platzende Lippe, könnte man sagen. Die Schnoddertontaube ist mit der Labertasche verwandt, sie ist aber eher ein Labersackerl, das schon leicht aufgeblasen, wie die oben beschriebene Lippe, platzt. Die Schnoddertontaube kann männlich, weiblich und auch alles andere sein. Die Schnoddertontaube findet immer einen Weg aufzufallen. Im Hochkulturbereich genügt es, halbwegs heutig zu sprechen. Ein paar Anglizismen, ein paar Satzverkürzungen, ein paar Semi-Frechheiten – das ist dann schon schnoddrig genug. Im familiären Bereich ist schnoddrig einfach pampig, also trotzig pubertär. Ich bin ja geneigt aus dem pampig ein pampfig zu machen. Da das „pf“ mir diese Art noch etwas unterstreicht. In der Wissenschaft geht Schnoddrig auch sehr leicht. Große Teile der Germanistik sind geneigt, den Großteil der Literatur nach 1945 als schnoddrig abzutun. „Loslabern“ von Rainald Goetz ist Schnoddertontaubenschießolympiasieger!

Posterhase

Der Posterhase hat ein natürliches Gegenteil: den Hass-Poster. Der Hass-Poster ist böse, der Posterhase gut. Allein die Unterscheidung von gut und böse ist nicht mehr so klar wie früher. Die Guten werden zunehmend diffamiert, während sich Böse brüsten, eben nicht gut zu sein. Nicht gut ist dann oft sexistisch, rassistisch, intolerant. Gut ist solidarisch, kritisch und umweltbewusst. Der Hass-Poster ist also sexistisch, rassistisch und intolerant. Der Posterhase ist solidarisch, kritisch und umweltbewusst. Wäre der Posterhase ein Mensch, er wäre ein Gutmensch. Nur logisch, dass der Gutmensch das Feindbild der Hass-Poster ist. Nicht logisch, dass Gutmensch mittlerweile als Schimpfwort herhalten muss. Der Posterhase lässt deswegen aber die Ohren nicht hängen. Der Posterhase ist nämlich kein Kulturpessimist sondern Allround-Optimist. Der Hass-Poster macht bloß Mist. Deswegen wird dem Hass-Poster hier jetzt auch nicht mehr Platz eingeräumt. Der gebührt dem Posterhasen. Posterhasen sind immer günstig. Posterhasen gehören in jeden Haushalt. Posterhasen sind leistbar und an der Leistbar unterhält es sich gut. Posterhasen haben sich auch der Unterhaltung verschrieben: Nachzulesen in Posterhasen, Korrespondenzpoesie Teil 3 von Peter Clar und Markus Köhle (vorerst nur auf Nachfrage).

Verpollerung

Wien wird Pollermetropole! Der Sperrpfosten, der Anti-Terror-Poller ist 1 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 32 Zentimeter. Das Wiener Rathaus wird mit 78 strammen Pollern grad zum Zentrum der Sperrpfosten. Poller in Städten sind ja nichts Neues. Man kennt den Kreuzberger Penis. 1987 bei den Krawallen am 1. Mai in Berlin Kreuzberg gab es „Pollerflug-Alarm-Anzeigen“. Zuständig für die städtische Verpollerung ist der Arbeitskreis Stadtmöblierung. Heutzutage spricht man von Funktionspollern. 51.000 stehen in Wien. Poller boomen. Einst war der Poller bloß ein Pflock an Piers zur Befestigung der Schiffsleine.
Seit 1894 werden in Wien Pflocks produziert. Durch Begegnungszonen und neue Verkehrskonzepte war der Poller an sich im Rückmarsch, jetzt aber, aufgrund des subjektiven Unsicherheitsgefühls: Die Rückkehr der Poller.

Oktoberfist

Kann nicht behaupten, dass ich den Oktober mag. Was hat der schon zu bieten? Erntedank und Nationalfeiertag. Nationaleiertag – keine Fußballgedichte. Nationalfeierteig – keine Keksgedichte. Ja, ich eier gern rum, reit gern auf Worten rum. Klar, dass da aus dem Oktoberfest die Oktoberfist werden muss. Für die Gedankenernte bin ich jedoch jederzeit bereit, meinen Dank auszusprechen und Novemberfrust frisst wohl bald Oktoberfist. Oktoberfist also fristlos entlassen und alle in den Herbstferien. Auch ich. Ich auch. Brauch ich auch. Bauch voll, Batterien leer. Demnächst neu motiviert hier mehr.

Ach was, gleich mehr, denn es gibt ja auch den Oktobär.

Der Oktobär schaut gern fern (Okto-TV). Seine Vorlieben diesbezüglich sind speziell. Alles was zu kommerziell ist, verabscheut er. Alles was zu artifiziell ist, scheut er. Alles was frei und unabhängig produziert ist, zieht ihn an, macht ihn glücklich, lässt sein Fell sprießen, wachsen, gedeihen. Des Oktobären Fell ist im Idealfall eine Blumenwiese. Der Okobär ist die Bärsonifizierung des Altweibersommers. Nur muss für ihn nicht das Wetter gut sein sondern das Fernsehprogramm. Der Oktobär pflanzt sich gern auf Cochlandschaften und hält keinen Winterschlaf. Er hält sich vielmehr ein Winterschaf, also das Fell eines Schafes, in Form einer Decke, um sich und sein Wiesenfell warm und bedeckt zu halten. Man sollte sich hüten, ihn deshalb einen Schaffellficker zu heißen. Beleidigungen machen den Oktobären nämlich rasend und niemand will einen Wiesenfellbären rasend erleben. Denn das überleben nur die Wenigsten. Ein rasender Oktobär macht dich zwar nicht Kickbox, aber er macht dich zum Herbstzeitloser und wenn schon Loser, dann Berg, also Loser. Die Vermutung, dass der Oktobär ein Prophet ist, liegt nahe. Der Oktobär ist pro Vieles: pro Bier, pro Test, pro Fund; Der Oktobär ist ein Bär für dich und mich, ein Bär wie ich und du. Der Oktobär ist besser als eine Fernbeziehung und besser als eine Fernbedienung, denn der Oktobär lässt sich ganz gut aushalten und jederzeit ausschalten. Denn der Oktobär will dich nicht neppen, er will nur mit dir zappen.

Kausalkettensägenmassaker

Ja, freilich: weil, weil, weil! Weil dies, weil das, weil jenes. Du weilst mich zu, du weilst mich an, du langweilst mich schon lang. Bist du mein Weil, bin ich dir Brecht und das ist für uns beide Schlecht. Weil, weil, weil. Du bist ein Kausalkettensägenmassaker!
So könnte ein Part in einem Streit nach Wahl lauten. Und wer Wörter wie Kausalkettensägenmassaker in einen Alltagsstreit einbaut, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

Bierflaschenhalsweh

Wenn schon Halsweh im Sommer, dann Bierflaschenhalsweh. Man soll ja auch trinken bei dieser Hitze und immer nur Wasser ist auch langweilig. Bierflaschenhalsweh ist eine Art Heimweh, wenn einem Bier Heimat ist. Bierflaschenhalsweh hat mit Sehnsucht zu tun. Man möchte sich wo festhalten, festsaugen, laben. Ein Flaschenhals ist dafür allemal besser geeignet als eine scharfe Blechdosenöffnung mit potenzieller Lippenverletzungsgefahr.
Und weil es gerade dazu passt: Wie nennt man ein zweimaliges Versagen beim Bierflaschenöffnen? Ploppelfehler.
Bierflaschenhalsweh ist auch weit harmloser als der Flaschenhalsschlagaderlass. Der Flaschenhalsschlagaderlass ist nämlich mehr als ernst genommenes Rotweintrinken.

Schulschachschwachmat

Dass der Schwachmat die Form ist, die vom Schwachmatikus und vom Schwachmatiker übrig blieb und bereits um 1700 in Studierendenkreisen geprägt worden ist, habe ich nicht gewusst. Als Wort ist mir der Schwachmat nicht sehr lieb. In der Verbindung Schulschachschwachmat allerdings kann er was, der Schwachmat. Schulschachschwachmat ist ein Schwarz-Weiß-Bad, ein Wortlautpool in den man eintauchen kann. Ein kurzes Vergnügen, denn der Schulschachschwachmat ist im Nu schachmatt.

Schmunzellhaufen

Die Einen sagen, es werde zu wenig geschmust. Die Anderen sagen, es werde zu wenig geschmunzelt. Schmunzeln ist etwas aus der Mode gekommen. Frauman grinst oder lacht schallend. Schmunzeln ist subtiler. Wir leben nicht in subtilen Zeiten. Dabei sind wir doch alle nur Zellhäufen, die glücklich sein wollen und wären wir fröhliche Schmunzellhäufen, gelänge uns das leichter, meint Lebensratgeber Köhle.

Backenbartstoppelfeld

Haarnadel und Kinnhaken
verstrickten sich auf einem Backenbartstoppelfeld
Kurz nach dem Schlag und dem Ruf: Held fällt!

Greisnockerlsuppe

Die Greisnockerlsuppe ist ein Fachterminus aus der Altenpflege. Als Greisnockerlsuppe wird Stuhl bezeichnet, der aus einer Mischung aus klassischem, flüssigen Durchfall und sich einzeln darin befindlichen festen Kotstücken besteht. Die Greisnockerlsuppe ist weder bei den Ausscheidenden noch bei den Auswischenden beliebt, da die festen Stücke auf der Haut scheuern und die dünne Suppe olfaktorisch unangenehm penetrant auffällt.