Wort der Woche

Bierflaschenhalsweh

Wenn schon Halsweh im Sommer, dann Bierflaschenhalsweh. Man soll ja auch trinken bei dieser Hitze und immer nur Wasser ist auch langweilig. Bierflaschenhalsweh ist eine Art Heimweh, wenn einem Bier Heimat ist. Bierflaschenhalsweh hat mit Sehnsucht zu tun. Man möchte sich wo festhalten, festsaugen, laben. Ein Flaschenhals ist dafür allemal besser geeignet als eine scharfe Blechdosenöffnung mit potenzieller Lippenverletzungsgefahr.
Und weil es gerade dazu passt: Wie nennt man ein zweimaliges Versagen beim Bierflaschenöffnen? Ploppelfehler.
Bierflaschenhalsweh ist auch weit harmloser als der Flaschenhalsschlagaderlass. Der Flaschenhalsschlagaderlass ist nämlich mehr als ernst genommenes Rotweintrinken.

Schulschachschwachmat

Dass der Schwachmat die Form ist, die vom Schwachmatikus und vom Schwachmatiker übrig blieb und bereits um 1700 in Studierendenkreisen geprägt worden ist, habe ich nicht gewusst. Als Wort ist mir der Schwachmat nicht sehr lieb. In der Verbindung Schulschachschwachmat allerdings kann er was, der Schwachmat. Schulschachschwachmat ist ein Schwarz-Weiß-Bad, ein Wortlautpool in den man eintauchen kann. Ein kurzes Vergnügen, denn der Schulschachschwachmat ist im Nu schachmatt.

Schmunzellhaufen

Die Einen sagen, es werde zu wenig geschmust. Die Anderen sagen, es werde zu wenig geschmunzelt. Schmunzeln ist etwas aus der Mode gekommen. Frauman grinst oder lacht schallend. Schmunzeln ist subtiler. Wir leben nicht in subtilen Zeiten. Dabei sind wir doch alle nur Zellhäufen, die glücklich sein wollen und wären wir fröhliche Schmunzellhäufen, gelänge uns das leichter, meint Lebensratgeber Köhle.

Backenbartstoppelfeld

Haarnadel und Kinnhaken
verstrickten sich auf einem Backenbartstoppelfeld
Kurz nach dem Schlag und dem Ruf: Held fällt!

Greisnockerlsuppe

Die Greisnockerlsuppe ist ein Fachterminus aus der Altenpflege. Als Greisnockerlsuppe wird Stuhl bezeichnet, der aus einer Mischung aus klassischem, flüssigen Durchfall und sich einzeln darin befindlichen festen Kotstücken besteht. Die Greisnockerlsuppe ist weder bei den Ausscheidenden noch bei den Auswischenden beliebt, da die festen Stücke auf der Haut scheuern und die dünne Suppe olfaktorisch unangenehm penetrant auffällt.

Sauerkirschenscheiterhaufen

Sauerkirschen-Scheiterhaufen stand heute als Tagesgericht auf der Karte im Schutzhaus zur Zukunft auf der Schmelz. Ich glaube, Nichtmuttersprachler*innen beißen sich am Vokabular dieses Satzes die Zähne aus.

Salbenmischmaschine

Oh doch, Poetry Slam Workshops sind immer wieder eine Freude und lassen mich auch immer wieder neue Worte lernen. War heute zu Gast in der Berufsschule 3 in Wels und hatte es mit einer Klasse angehender Apotheker*innen zu tun. Abgesehen davon, dass sie sehr angenehm und schreibwillig waren, konnte ich ihnen auch ein paar Fachwörter entlocken und mein Liebling ist eindeutig der Umquator. Dass man auch Salbenmischmaschine sagen kann, macht den Umquator nur noch attraktiver. Summa Summarum waren die angehenden Apothker*innen an einem verregneten Tag wie diesen (6. November) richtige Stimmungsauffrischmaschinen. Und dass ich an ein Wort aus Ministrantenzeiten erinnert werden sollte – Patene – damit war auch nicht zu rechnen. Ich jedenfalls habe ein neues Lieblings-Unnütz-Haushaltsgerät: den Umquator.

Bezirksjugendblasorchester

Das harmlos scheinende Wort Bezirksjugendblasorchester, das beispielsweise hier in Wels ganz verständlich auf Plakate geschrieben wird – und es gibt in der Gemeinde von Wels sicher einen Bezirksjugendblasorchesterunterstützungsantrag – das Wort Bezirksjugendblasorchester hat Klang, hat Rhythmus, hat alle Vokale und ist insofern ideal, um Wortklang, der dann doch auch immer etwas mit Vokaleinsatz zu tun hat, zu erklären. Lasset uns alle gemeinsam das Wort Bezirksjugendblasorchester schmettern!

Sommerlochfüllstoff

Fragen, die das Sommerloch füllen.
Wie nennt man unnützes Zeug in einem Palast?
Palastballast.
Wie die Bürde eines Profifußballers?
Balllast.
Wie nennt man die Warteschlang vor der Autowaschstraße?
Testosteronkolonne.
Was wird in Ausschüssen produziert?
Ausschussware.
Wie nennt man einen mittelmäßigen Sensenschwung des Todes?
Durchschnitterschnitt.
Wie könnte vereinzeltes Vereinszelt Gewitzel lauten?
Völlig alleine – vögel alleine!

Sozialkapitalist

Die skandinavischen Länder sind ja richtige Sozialkapitalisten. Zufrieden bis über beide Ohren und so vorbildlich, dass es einem die Schuldschamhaut zusammen zieht. In Österreich ist es um das Sozialkapital zunehmend schlechter bestellt. Kein Wunder, da wird ja auch gemessen, wie zufrieden die Österreicherin und der Österreicher mit sozialen Bindungen sind und wie groß das Vertrauen in Institutionen ist. Angesichts dieser Parameter kann das Sozialkapital hierzulande nur sinken. Denn jammern ist die Kernkompetenz der Österreicherinnen und Österreicher und wenn dann der ganze Jammer mal ein Ohr geschenkt gekriegt und sich statistisch niederschlagen darf, dann muss das natürlich schlecht ausgehen für Österreich. Österreich ist jetzt also nur mehr auf Platz 15 weltweit was Wohlbefinden und Zufriedenheit betrifft. Das wiederum macht nur noch unzufriedener. Ein Teufelskreis. Die Jammerbereitschaft hierzulande hätte vom Legatum Institute in London, dem Thinktank dem diese Studie zu verdanken ist, berücksichtigt werden müssen. Wirtschaftsleistung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, persönliche Freiheit und Umwelt als Indikatoren recht für Österreich nicht. Andererseits: Eine bessere Platzierung für Österreich wäre nur paradox. Denn die Österreicherinnen und Österreicher sind zufrieden damit, dass sie unzufrieden sind. Und das wissenschaftlich nachzuweisen, muss man erst einmal zustande bringen.