Wort der Woche

Salbenmischmaschine

Oh doch, Poetry Slam Workshops sind immer wieder eine Freude und lassen mich auch immer wieder neue Worte lernen. War heute zu Gast in der Berufsschule 3 in Wels und hatte es mit einer Klasse angehender Apotheker*innen zu tun. Abgesehen davon, dass sie sehr angenehm und schreibwillig waren, konnte ich ihnen auch ein paar Fachwörter entlocken und mein Liebling ist eindeutig der Umquator. Dass man auch Salbenmischmaschine sagen kann, macht den Umquator nur noch attraktiver. Summa Summarum waren die angehenden Apothker*innen an einem verregneten Tag wie diesen (6. November) richtige Stimmungsauffrischmaschinen. Und dass ich an ein Wort aus Ministrantenzeiten erinnert werden sollte – Patene – damit war auch nicht zu rechnen. Ich jedenfalls habe ein neues Lieblings-Unnütz-Haushaltsgerät: den Umquator.

Bezirksjugendblasorchester

Das harmlos scheinende Wort Bezirksjugendblasorchester, das beispielsweise hier in Wels ganz verständlich auf Plakate geschrieben wird – und es gibt in der Gemeinde von Wels sicher einen Bezirksjugendblasorchesterunterstützungsantrag – das Wort Bezirksjugendblasorchester hat Klang, hat Rhythmus, hat alle Vokale und ist insofern ideal, um Wortklang, der dann doch auch immer etwas mit Vokaleinsatz zu tun hat, zu erklären. Lasset uns alle gemeinsam das Wort Bezirksjugendblasorchester schmettern!

Sommerlochfüllstoff

Fragen, die das Sommerloch füllen.
Wie nennt man unnützes Zeug in einem Palast?
Palastballast.
Wie die Bürde eines Profifußballers?
Balllast.
Wie nennt man die Warteschlang vor der Autowaschstraße?
Testosteronkolonne.
Was wird in Ausschüssen produziert?
Ausschussware.
Wie nennt man einen mittelmäßigen Sensenschwung des Todes?
Durchschnitterschnitt.
Wie könnte vereinzeltes Vereinszelt Gewitzel lauten?
Völlig alleine – vögel alleine!

Sozialkapitalist

Die skandinavischen Länder sind ja richtige Sozialkapitalisten. Zufrieden bis über beide Ohren und so vorbildlich, dass es einem die Schuldschamhaut zusammen zieht. In Österreich ist es um das Sozialkapital zunehmend schlechter bestellt. Kein Wunder, da wird ja auch gemessen, wie zufrieden die Österreicherin und der Österreicher mit sozialen Bindungen sind und wie groß das Vertrauen in Institutionen ist. Angesichts dieser Parameter kann das Sozialkapital hierzulande nur sinken. Denn jammern ist die Kernkompetenz der Österreicherinnen und Österreicher und wenn dann der ganze Jammer mal ein Ohr geschenkt gekriegt und sich statistisch niederschlagen darf, dann muss das natürlich schlecht ausgehen für Österreich. Österreich ist jetzt also nur mehr auf Platz 15 weltweit was Wohlbefinden und Zufriedenheit betrifft. Das wiederum macht nur noch unzufriedener. Ein Teufelskreis. Die Jammerbereitschaft hierzulande hätte vom Legatum Institute in London, dem Thinktank dem diese Studie zu verdanken ist, berücksichtigt werden müssen. Wirtschaftsleistung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, persönliche Freiheit und Umwelt als Indikatoren recht für Österreich nicht. Andererseits: Eine bessere Platzierung für Österreich wäre nur paradox. Denn die Österreicherinnen und Österreicher sind zufrieden damit, dass sie unzufrieden sind. Und das wissenschaftlich nachzuweisen, muss man erst einmal zustande bringen.

Zuzweitverschwendung

Irgendeine Zeit mit einem Ex, einer Ex bereuen alle. Wie konnte man nur?, fragt man sich dann. Was lenkte einen? Was ließ einen all das hinnehmen, sich so zurücknehmen, sich so benehmen? Wie ließ sich dieses Verhalten bloß so lange aushalten? Was ritt einen? Klar: die Liebe, der Teufel. Man ließ sich blind- und breitschlagen. Das kann ja mal passieren. Aber ein Jahr lang? Klassischer Fall von Zuzweitverschwendung.

Blattentäter

Ich brennen nicht für den Glauben. Ich brenne nicht für die Heilige Schrift. Ich brenne für die Niederschrift meiner flammenden Gedanken. Ich banne meine Brandsätze auf Papier, auf Blätter, auf Löschblätter. Ich bin Gedankengut-Blattentäter in eigener Mission. Meine Gedankensprengsätze sind nicht laut – sie sind lauter. Aber nicht im Komparativ-Sinn von laut, sondern lauter im Sinn von rein, ungetrübt, geläutert eben. Ja, ich brenne für Sprachbetrachtung. Ich glaube an die Macht der Sprache und das macht sich doch gut als Satz zum Schluss.

Pfropfsprossenleitung

Wer übernimmt die Pfropfsprossenleitung?
Kanalisiert sich der Scheiß autochthon?
Ist ein Wörterbuch ein Erklärwerk?
Ist Literatur gut geschüttelte Lexik?
Ist falsche Erwartungsweckung schon genug der Exzentrik?
Ist das schon Lyrik?

Pröllbock

Es geschehen noch Wunder. Pröll dankt ab. Damit war nicht zu rechnen. Grad eben den 70er groß zelebriert, glaubte man, das geht ewig so weiter. Und so war ich jüngst dabei, mir ein Konzept für einen Niederösterreich-Krimi einfallen zu lassen. Ein Projekt, das der große Kunst-Mäzen vielleicht mit Mitteln aus einer seiner Stiftungen fördern könnte, eine Hard-Boild-Story mit dem Arbeitstitel „Volle Karacho: Mit 70 Pröll an die Wand“. Da dieser Titel allerdings missverständlichen aufgefasst werden könnte, probierte ich rum und verbesserte „Volle Karacho: Mit 70 Pröll die Kurve kratzen“. Vermutlich immer noch zu explizit, vielleicht: „Mit 70 Pröll nach Erwin. Eine Kreisverkehrsrallye“. „Mit 70 Pröll nach Erwin“ als Haupttitel ist fix. Am Untertitel möchte ich noch feilen: „Ein Horrortrip“, nein, ich habs: „Mit 70 Pröll nach Erwin. Keine Pilgerfahrt – ein Himmelfahrtskommando“. Jawoll, jetzt schnell ein Ansuchen aufstellen, abschicken und die bewilligte Fördersumme abwarten. Dann loslegen, zum tatsächlichen Amtsrücktritt dann das Ergebnis vorlegen und in absehbarer Zeit mit einem persönlichen Museum spekulieren (so viel Resteinfluss wird der pensionierte Papa Pröll wohl noch haben). Schön. Die Zukunft ist geritzt. Danke Erwin!

Adäquatsch

Adäquatsch ist eine hohe Kunst. Adäquatsch ist, genau im richtigen Moment, den passenden Unsinn liefern zu können. Dada war mal bester Adäquatsch. Guter Adäquatsch hat ordentlich Fallhöhe. Adäquatsch ist am besten trocken zu servieren. Adäquatsch ist am besten, wenn er nicht von allen bemerkt wird. Adäquatsch unterwandert und nimmt Debatten den heiligen Ernst. Adäquatsch kann in der Tat heilend sein. Adäquatschkuren empföhlen sich für viele. Ich biete mich gerne als Adäquatschtalkmaster an.

Zugspitzensex

Tourismushöhepunkt! Das aufgeklärte Deutschland wirbt. Das Höchste der Gefühle: Zugspitzensex! Die Zugspitze ist fast 3000 Meter hoch und wurde vor fast 200 Jahren erstbestiegen. Die Zugspitze liegt im Nachbardorf meines Heimatdorfes. Ach was, die liegt dort doch nicht. Die erhebt sich mächtig und ist zu ergondeln. Die Zugspitze ist Deutschlands höchster Berg. Outdoor-Liebe ist ein bis dato touristisch sträflich vernachlässigtes Feld. Das muss sich ändern. Paare besteigt Gipfel und just tut es!