Wort der Woche

Hydrokulturpflanzenwanne

Die Hydrokulturpflanzenwanne in Korallenrot gibt’s grad in der Auslage des Bastel- und Kunstbedarfsladens meines Vertrauens in der Haberlgasse, grad um’s Eck zur 46er Bim-Station. Da komm ich oft dran vorbei und bestaune die Hydrokulturpflanzenwanne, die auch mit Rollensatz angeboten wird. Ein Rollensatz besteht aus vier Kugelrollrädern. Mit einer Hydrokulturpflanzenwanne in Korallenrot auf für Kugelrollrädern muss sich doch Kultur pflanzen lassen, muss doch Kultur bewegt, ins Rollen gebracht werden können. Ich bin zuversichtlich.

Pizzablockparty

Neuerdings verstört in Speisekarten das Wort Pizzablock. Pizzablock klingt eher nach einer Vereinigung als nach einer Zutat. Dabei ist Pizzablock bloß Schinken. Heißt der Toastschinken jetzt auch Toastblock? Steht in den kleinen Karten jetzt: Toastblock-Käse-Toast? Muss man sich Sorgen um den guten alten Schinken machen?
Nein, der Pizzablock erobert die Speisekarten des Landes. Deshalb haben wir den Pizzablock isoliert. Wir beobachten den Pizzablock seit geraumer Zeit. Es könnte sich beim Pizzablock um eine terroristische Vereinigung handeln. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis erste Pizzablockpartys die Bezirke erschüttern werden. Wollen wir das schlucken? Wollen wir dem Schinken zum Abschied leise weinend winken? Oder wollen wir ihn zurück? Wenn ja, dann sagen wir Pizzablock go home in deine Blockhütte und Schinken schwing dich wieder in unsere Mieder.

Proloshirtshitstormer

Sind Sie mehr Rock ’n‘ Rollkragenexistenzialismus als Proloshirtshitstormer?
Sind Sie mehr Hochofen als Sonnenschein? Mehr Lederkluft als Leinenhose?
Haben Sie eher ganzwöchig Freitagstaschenentzug oder winters Stoffbeutelentzugserscheinungen?
Sind Sie mehr zugeknöpfte Metalkutte als bottom down Knopfleistenbruch? Sind Sie mehr Volllederhumhängeschultasche in hell mit dazu passendem Zipreißverschluss-Federpenal oder Schafwollstrickpullover in dick mit zweifärbigem Sternkragenmuster?
Oder machen Sie sich nichts aus Äußerlichkeiten, Vergleichsfragen und Kaffeesatzvergleich ?

Begabelbissen

Von großer Begabung muss nicht gleich gesprochen werden, ein Begabelbissen ist trefflicher. Sozusagen ein Talentchen, ein Händchen für gewisse Dinge. Ein Begabelbissen ist natürlich auch schnell weg und nicht sehr nachhaltig, ist ein Begabelbisschen. Geschicklichkeit hat immer so was Handwerkliches, dabei ist es eher lebenspraktisch, aber im Kreativbereich ist die Geschicklichkeit verpönt. Geschickt ist man dort nicht, geschickt wird man dort, zum nächsten Praktikum beispielsweise. Und sind die Praktikant_innen geschickt, wissen sie auch trefflich trendiges Fingerfood zu kredenzen. Gabelbissen war gestern, Fingerfood ist heute, morgen ist vielleicht Slowforkfood.

Schnoddertontaube

Die Schnoddertontaube spuckt zwar große Töne, ist aber ein sehr fragiles Geschöpf. Große Lippe aber auch leicht platzende Lippe, könnte man sagen. Die Schnoddertontaube ist mit der Labertasche verwandt, sie ist aber eher ein Labersackerl, das schon leicht aufgeblasen, wie die oben beschriebene Lippe, platzt. Die Schnoddertontaube kann männlich, weiblich und auch alles andere sein. Die Schnoddertontaube findet immer einen Weg aufzufallen. Im Hochkulturbereich genügt es, halbwegs heutig zu sprechen. Ein paar Anglizismen, ein paar Satzverkürzungen, ein paar Semi-Frechheiten – das ist dann schon schnoddrig genug. Im familiären Bereich ist schnoddrig einfach pampig, also trotzig pubertär. Ich bin ja geneigt aus dem pampig ein pampfig zu machen. Da das „pf“ mir diese Art noch etwas unterstreicht. In der Wissenschaft geht Schnoddrig auch sehr leicht. Große Teile der Germanistik sind geneigt, den Großteil der Literatur nach 1945 als schnoddrig abzutun. „Loslabern“ von Rainald Goetz ist Schnoddertontaubenschießolympiasieger!

Posterhase

Der Posterhase hat ein natürliches Gegenteil: den Hass-Poster. Der Hass-Poster ist böse, der Posterhase gut. Allein die Unterscheidung von gut und böse ist nicht mehr so klar wie früher. Die Guten werden zunehmend diffamiert, während sich Böse brüsten, eben nicht gut zu sein. Nicht gut ist dann oft sexistisch, rassistisch, intolerant. Gut ist solidarisch, kritisch und umweltbewusst. Der Hass-Poster ist also sexistisch, rassistisch und intolerant. Der Posterhase ist solidarisch, kritisch und umweltbewusst. Wäre der Posterhase ein Mensch, er wäre ein Gutmensch. Nur logisch, dass der Gutmensch das Feindbild der Hass-Poster ist. Nicht logisch, dass Gutmensch mittlerweile als Schimpfwort herhalten muss. Der Posterhase lässt deswegen aber die Ohren nicht hängen. Der Posterhase ist nämlich kein Kulturpessimist sondern Allround-Optimist. Der Hass-Poster macht bloß Mist. Deswegen wird dem Hass-Poster hier jetzt auch nicht mehr Platz eingeräumt. Der gebührt dem Posterhasen. Posterhasen sind immer günstig. Posterhasen gehören in jeden Haushalt. Posterhasen sind leistbar und an der Leistbar unterhält es sich gut. Posterhasen haben sich auch der Unterhaltung verschrieben: Nachzulesen in Posterhasen, Korrespondenzpoesie Teil 3 von Peter Clar und Markus Köhle (vorerst nur auf Nachfrage).

Verpollerung

Wien wird Pollermetropole! Der Sperrpfosten, der Anti-Terror-Poller ist 1 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 32 Zentimeter. Das Wiener Rathaus wird mit 78 strammen Pollern grad zum Zentrum der Sperrpfosten. Poller in Städten sind ja nichts Neues. Man kennt den Kreuzberger Penis. 1987 bei den Krawallen am 1. Mai in Berlin Kreuzberg gab es „Pollerflug-Alarm-Anzeigen“. Zuständig für die städtische Verpollerung ist der Arbeitskreis Stadtmöblierung. Heutzutage spricht man von Funktionspollern. 51.000 stehen in Wien. Poller boomen. Einst war der Poller bloß ein Pflock an Piers zur Befestigung der Schiffsleine.
Seit 1894 werden in Wien Pflocks produziert. Durch Begegnungszonen und neue Verkehrskonzepte war der Poller an sich im Rückmarsch, jetzt aber, aufgrund des subjektiven Unsicherheitsgefühls: Die Rückkehr der Poller.

Oktoberfist

Kann nicht behaupten, dass ich den Oktober mag. Was hat der schon zu bieten? Erntedank und Nationalfeiertag. Nationaleiertag – keine Fußballgedichte. Nationalfeierteig – keine Keksgedichte. Ja, ich eier gern rum, reit gern auf Worten rum. Klar, dass da aus dem Oktoberfest die Oktoberfist werden muss. Für die Gedankenernte bin ich jedoch jederzeit bereit, meinen Dank auszusprechen und Novemberfrust frisst wohl bald Oktoberfist. Oktoberfist also fristlos entlassen und alle in den Herbstferien. Auch ich. Ich auch. Brauch ich auch. Bauch voll, Batterien leer. Demnächst neu motiviert hier mehr.

Ach was, gleich mehr, denn es gibt ja auch den Oktobär.

Der Oktobär schaut gern fern (Okto-TV). Seine Vorlieben diesbezüglich sind speziell. Alles was zu kommerziell ist, verabscheut er. Alles was zu artifiziell ist, scheut er. Alles was frei und unabhängig produziert ist, zieht ihn an, macht ihn glücklich, lässt sein Fell sprießen, wachsen, gedeihen. Des Oktobären Fell ist im Idealfall eine Blumenwiese. Der Okobär ist die Bärsonifizierung des Altweibersommers. Nur muss für ihn nicht das Wetter gut sein sondern das Fernsehprogramm. Der Oktobär pflanzt sich gern auf Cochlandschaften und hält keinen Winterschlaf. Er hält sich vielmehr ein Winterschaf, also das Fell eines Schafes, in Form einer Decke, um sich und sein Wiesenfell warm und bedeckt zu halten. Man sollte sich hüten, ihn deshalb einen Schaffellficker zu heißen. Beleidigungen machen den Oktobären nämlich rasend und niemand will einen Wiesenfellbären rasend erleben. Denn das überleben nur die Wenigsten. Ein rasender Oktobär macht dich zwar nicht Kickbox, aber er macht dich zum Herbstzeitloser und wenn schon Loser, dann Berg, also Loser. Die Vermutung, dass der Oktobär ein Prophet ist, liegt nahe. Der Oktobär ist pro Vieles: pro Bier, pro Test, pro Fund; Der Oktobär ist ein Bär für dich und mich, ein Bär wie ich und du. Der Oktobär ist besser als eine Fernbeziehung und besser als eine Fernbedienung, denn der Oktobär lässt sich ganz gut aushalten und jederzeit ausschalten. Denn der Oktobär will dich nicht neppen, er will nur mit dir zappen.

Kausalkettensägenmassaker

Ja, freilich: weil, weil, weil! Weil dies, weil das, weil jenes. Du weilst mich zu, du weilst mich an, du langweilst mich schon lang. Bist du mein Weil, bin ich dir Brecht und das ist für uns beide Schlecht. Weil, weil, weil. Du bist ein Kausalkettensägenmassaker!
So könnte ein Part in einem Streit nach Wahl lauten. Und wer Wörter wie Kausalkettensägenmassaker in einen Alltagsstreit einbaut, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

Bierflaschenhalsweh

Wenn schon Halsweh im Sommer, dann Bierflaschenhalsweh. Man soll ja auch trinken bei dieser Hitze und immer nur Wasser ist auch langweilig. Bierflaschenhalsweh ist eine Art Heimweh, wenn einem Bier Heimat ist. Bierflaschenhalsweh hat mit Sehnsucht zu tun. Man möchte sich wo festhalten, festsaugen, laben. Ein Flaschenhals ist dafür allemal besser geeignet als eine scharfe Blechdosenöffnung mit potenzieller Lippenverletzungsgefahr.
Und weil es gerade dazu passt: Wie nennt man ein zweimaliges Versagen beim Bierflaschenöffnen? Ploppelfehler.
Bierflaschenhalsweh ist auch weit harmloser als der Flaschenhalsschlagaderlass. Der Flaschenhalsschlagaderlass ist nämlich mehr als ernst genommenes Rotweintrinken.