Wort der Woche

Adäquatsch

Adäquatsch ist eine hohe Kunst. Adäquatsch ist, genau im richtigen Moment, den passenden Unsinn liefern zu können. Dada war mal bester Adäquatsch. Guter Adäquatsch hat ordentlich Fallhöhe. Adäquatsch ist am besten trocken zu servieren. Adäquatsch ist am besten, wenn er nicht von allen bemerkt wird. Adäquatsch unterwandert und nimmt Debatten den heiligen Ernst. Adäquatsch kann in der Tat heilend sein. Adäquatschkuren empföhlen sich für viele. Ich biete mich gerne als Adäquatschtalkmaster an.

Zugspitzensex

Tourismushöhepunkt! Das aufgeklärte Deutschland wirbt. Das Höchste der Gefühle: Zugspitzensex! Die Zugspitze ist fast 3000 Meter hoch und wurde vor fast 200 Jahren erstbestiegen. Die Zugspitze liegt im Nachbardorf meines Heimatdorfes. Ach was, die liegt dort doch nicht. Die erhebt sich mächtig und ist zu ergondeln. Die Zugspitze ist Deutschlands höchster Berg. Outdoor-Liebe ist ein bis dato touristisch sträflich vernachlässigtes Feld. Das muss sich ändern. Paare besteigt Gipfel und just tut es!

Sommerfrischling

Ich bin ein Sommerfrischling. Ich bin hier, um euch auf den Boden der Lachsachen zurück zu holen. Ich bin reif für den Pinsel. Mir rieselt schon Schlafsand aus den Augen. Ich kann mich kaum mehr auf dem Schreitischsessel halten. Es ist Sommer. Ich bin nicht frisch. Ich brauche Erfrischung. Ich habe keine Sommerresidenz im Salzkammergut. Ich verbringe den Juli in Wien – auch gut. Ich verbringe den August auf Zakynthos – auch nicht schlecht. Ich schwitz grad wie ein Schwein (ein kleines). Ich bin ein Sommerfrischling.

Abdo Men

Superhelden sind in aller Munde. Zeit für einen Superhelden, der dem Normalmenschen sehr ähnlich aber eben doch auch mehr ist. Zeit für einen Superhelden mit Bauch, mit Superbauch, mit der Superbauchkraft. Abdomen bezeichnet den Rumpfbereich von Brust abwärts bis zur Hüfte. Abdo Men braucht Platz für zwei und heißt daher nicht Abdo Man sondern Abdo Men. Abdo Men kann seinen Bauch blähen wie ein balzender Frosch. Er kann ihn mit heißer Luft füllen und dann abheben wie ein Heißluftballon. Abdo Men ist der Superheld für alle EURO-bedingten Couch-, Bier/Chips- und Übergewichtsopfer. Zu Abdo Men können sie ohne schlechtes Gewissen auf sehen und sie werden viel Abdo Men sehen. Abdo Men: ein Held unserer Zeit.

Deckelungsdeckelung

Was soll denn bitte Deckelung heißen? Was soll denn bitte Mindestsicherungsdeckelung? Was soll denn bitte dieser Oberösterreichischer-Hohlkopf-Landtagsbeschluss? 365 Euro? 365 statt 914. 914 auch schon unter der Armutsgrenze. 365 plus 155 Integrationszuschuss, Integrationsbonus. Integrationszuschuss? Integrationsbonus? Was soll denn das heißen? Was soll denn das? Werteschulung, Wertevermittlung, Werteunterricht – echt? Mindestsicherungsdeckelung für Asylberechtigte ist doch Menschenabwertung. Ist doch Integrationsdeckelungs-Ausschuss. Ist doch Menschenrechtsverhöhnung. Ist doch Wertetotalverfall. Ist doch, ist doch nicht zu fassen. Der Oberösterreichische Haussegen, und nicht nur der, hängt schief, schiefer, am schiefsten. Ich bin für Hasspostingsdeckelung. Ich bin für Deckelungsdeckelung. Ich bin für Deckel, Ich bin für Decke, bin für Deck, für De, Ich bin für Deckelungsdekonstrukiton. Ich bin für einen humanitären Sozialstaat, ich bin für einen Mindestsicherungs-Menschlichkeitszuschuss und wenn ihr mit mir seid, dann werdet laut, werdet lauter, werdet unüberhörbar!

Wonnenbrand

Der Mai war dermaßen geil, dass ich doch tatsächlich einen veritablen Wonnenbrand abbekommen habe. Der äußert sich insofern, als man nicht mal mehr in der Lage ist, ohne Aufzeichnungen die letzten vier Wochen zu rekonstruieren. Da war Dresden, Helsinki, Rovaniemi, Tromsö, Trondheim, Lillehammer, Oslo, Danzig und schöne Auftritte da und dort eine entzückende Hochzeit von ganz lieben Menschen und jetzt geht’s ab nach Shanghai. WONNENBRAND. Freudenfest. Totalholladrio und Jubelhjuhui.

Exzesstrophäen

Die Top Ten der sich nach circa zehn Jahren Beziehung einschleichenden Alltags- & Lebensroutinen die für Außenstehende – selbst für beste Freundinnen und Freunde – befremdlich wirken müssen.
10. Die Pflege des Wollmäuseskulpturenparks in den Schlafzimmerecken durch konsequentes Staubsauglustverlieren kurz bevor man das Schlafzimmer erreicht.
9. Die Nicht-Pflege der Topfpflanzen, die eine Totholzkolonie darstellen, aber immerhin mit dem Wollmäuseskulpturenpark harmonieren.
8. Das Kartoffelschälen nackt, um sich besser in die geschälte Kartoffel einfühlen zu können.
7. Das Sammeln von Finger- und Zehennägeln in fein säuberlich etikettierten und mit dem Jahrgang versehenen Gurkengläsern.
6. Das Präsentieren der Finger-Zehennägel-Gurkenglassammlung auf den Küchenkästen wo früher leergetrunkene Exzesstrophäen standen.
5. Die Nasszellengebräuchlichkeiten in punkto Synchronisation diverser Absonderungshandlungen und Säuberungsaktionen.
4. Die Strichmännchen-Fingerzeichnungen in der Badewannenschmutzwand.
3. Die im Lampenschirm hängende Katze.
2. Das Silberfischterrarium unter der Abwasch.
1. Die Bärenfalle anstelle des Willkommen-Fußabstreifers.

Schnitzschnitzel

Gleichermaßen verstört wie erheitert las ich am Dienstag die “Heute” Titelschlagzeile: “Deutsche zeigen Österreicher Nazi-Schnitzel”, darunter ein Foto von einem panierten Hakenkreuz am Teller. Ich fragte mich, ob unter der Panier wirklich Fleisch steckte, ob da also ein Deutscher ein schönes Stück Fleisch ordentlich klopfte, um daraus dann ein Hakenkreuz zu schnitzen und dieses dann sorgflältig zu panieren, auf dass die Form ja gewahrt bliebe. Es sodann in die Fritteuse zu tunken, auf einem Teller – mit braunem, nein, viel schlauer, mit grünem Rand – zu drapieren und anschließend zu fotografieren und ins deratige Foto natürlich mit großem Hallo und Herzlichstem Willkommen aufnehmende Netz zu schleusen, auf dass diverse Socialmediaseiten oder aber vielleicht sogar eine Gratiszeitung diese politisch motivierte Schnitzschnitzel-Arbeit für nachrichtenrelevant erklären und ihr gebührenden Platz – ach, warum denn nicht, – auf der Titelseite einräumen. Ich frage mich das, bin aber nicht bereit, weitere Lebenszeit dafür zu verwenden. Das Nazi-Schnitzel stammt vermutlich aus einer satirischen Fernsehkochshow und ist sicher das größte jemals panierte Hakenkreuz und wird ins Guiness Buch der Rekorde eingetragen. Das Nazi-Schnitzel in aller Munde und Schnitzschnitzel mein Wort der letzten Aprilwoche.

Lavendelblätterregen

Ich laufe gern, mach vieles aber gerner. Ferner ist es an freien Tagen auch naheliegend, einfach länger liegen zu bleiben und zu lieben, was einem nah. Aber weil mich die Laufhose schon seit einer Woche hämisch angrinst ziehe ich sie mir heute über und trete vor die Tür. Schritt, Schritt, Laufschritt, Lauf – geht ja. Läuft. Ich laufe auf der Schmelz. Die Schmelz ist ein übergepflegtes Kleingartenvereinsidyll. Momentan blühen da mehr Pflanzen als ich zu benennen weiß. Ich schwitze, dampfe, keuche. Es geht der Wind, es saust, er zupft zart an den Pflanzen, lässt es lila Blätter regnen: Lavendelblätterregen. Ich laufe, lache, schnaufe. Ich laufe gern.

Plastiktonnenschuttschacht

Es rummst. Im Haus gegenüber wird der Dachboden ausgebaut. Aber erstmal wird das Dach abgedeckt, die Dachziegel, einer nach dem anderen, händisch in den Plastiktonnenschuttschacht geworfen, um mit einem Rumms in der bereitstehenden Mulde anzukommen. Das Rummsen wird anfänglich, bis der Boden der Mulde dachziegelscherbenbedeckt ist, von einem hohl, metallischen Donnern gekrönt und geht allmählich in ein Krachklirren über. Ich schaue dem Rummsverantwortlichen in die Augen, er hält meinem Blick mühelos stand. Die Rummsintervalle beeinträchtigen meine Konzentrationsfähigkeit, außerdem fällt mir auf, dass ich keine Hose an habe. Der Rummsverantwortliche sieht gnädig darüber hinweg. Noch geschätzte tausend Krachziegel. Ich geh besser wieder ins Schlafzimmer, das ist hofseitig, da zwitschern grad Vögel und die Nachbarn in der Wohnung unter mir, kochen – wie immer – etwas sehr Zwiebeldominantes.